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VMWare Workstation 9 als Ersatz für VMWare Server 2 nutzen

VMWare Server 2, gedacht als Hypervisor auf Betriebssystem-Ebene, wird von VMWare schon geraume Zeit nicht mehr weiterentwickelt. Als Nachfolger schickt VMWare den Baremetal-Hypervisor VMWare vSphere ins Rennen. Wer so wie ich allerdings keine eigene Maschine zur Virtualisierung nutzen kann oder will, für den könnte der Umstieg von VMWare Server auf VMWare Workstation eine Option sein. VMWare Workstation 9 bietet die Möglichkeit einzelne virtuelle Maschinen dienstgesteuert beim Booten zu starten und ist mit einigen Modifikationen durchaus als moderner und um einiges performanterer Ersatz für VMWare Server 2 zu sehen. Einziger Wermutstropfen: Mit ca. 200€ ist VMWare Workstation nicht kostenlos dafür aber mittlerweile für Windows und Linux erhältlich.

Im Folgenden möchte ich meine Einstellungen beschreiben um VMWare Workstation fit für den Einsatz als Server-Virtualisierungs-Umgebung zu machen.

VMWare Workstation Einstellungen

Damit sich VMWare Workstation auch wie eine Serveranwendung verhält habe ich die allgemeinen Einstellungen unter dem Punkt Edit -> Preferences wie folgt angepasst.

Workspace

  • Default location for virtual machines: Pfad zum Verzeichnis, in dem alle neuen virtuellen Maschinen automatisch gespeichert werden. Mehrere Speicherplätze wie unter VMWare Server oder vSphere sind leider nicht möglich.
  • Keep VMs running after Workstation closes: Checkbox aktivieren, damit die virtuellen Maschinen nach Beenden der VMWare Oberfläche auch weiterhin aktiv bleiben und nicht pausiert werden.
  • Show tray icon: Auf Always setzen um ein Icon in der Taskleiste, für den Schnellzugriff auf die Konsole und wichtige Funktionen, einzublenden.

Display

  • Autofit guest: Einstellung deaktivieren um zu verhindern das im Gastbetriebssystem automatisch die Auflösung verändert wird.
  • Full screen: Die Option auf Center guest (no resolution change) setzen.

Shared VMs

Damit virtuelle Maschinen beim Booten automatisch gestartet werden können, müssen diese geteilt werden. Dazu setzen Sie zunächst den Pfad zu Ihren virtuellen Maschinen unter Shared VMs location (Pfad sollte der Default-Location entsprechen). Nun können Sie über Enable Sharing die Funktion aktivieren.

Hinweis: Alle geteilten Virtuelle Maschinen müssen in diesem Verzeichnis liegen und werden, sobald diese geteilt werden und nicht bereits im Verzeichnis liegen, auch automatisch dorthin verschoben.

Kontrollieren Sie zur Sicherheit ob der Starttyp des Dienstes VMWare Workstation Server auf autostart gesetzt ist.

Memory

Um Performance-Einbußen zu vermeiden, sollten Sie die folgenden Einstellungen mit bedacht wählen bzw. die Grenzen Ihrer Hardware-Konfiguration entsprechend ausloten und testen.

  • Reserved memory: Setzen Sie die maximale Grenze an physisch verfügbarem Arbeitsspeicher die VMWare Workstation für das Ausführen von virtuellen Maschinen nutzen darf.
  • Additional memory: Wählen Sie hier entweder Fit all virtual memory into reserved host RAM oder Allow some virtual machine memory to be swapped.

Der Vorteil der Einstellung Allow some virtual machine memory to be swapped liegt (unter Inkaufnahme von kleinen Performance-Einbußen) im Überbuchen des verfügbaren Speicherplatzes. D.h. Sie können in Summe allen virtuellen Maschinen mehr Arbeitsspeicher zuweisen als im System verbaut ist. Bei der Annahme, dass jede virtuelle Maschine den zugewiesenen Arbeitsspeicher nicht voll nutzt, können so Lastspitzen abgedeckt werden.

Virtuelle Maschinen teilen

Um virtuelle Maschinen automatisch beim Booten des Systems mitzustarten, müssen diese geteilt werden. Dies hat weiters den Vorteil, dass Sie sich über jede VMWare Workstation Installation mit dem Server verbinden können und die Maschinen remote warten und bedienen können.

Um eine virtuelle Maschine zu teilen rufen Sie per Rechtsklick das Kontextmenü auf und wählen den Punkt Maange -> Start Sharing.... Ein Assistent begleitet Sie durch den Freigabeprozess.

Autostart von virtuellen Maschinen beim Booten

Damit die benötigten virtuellen Maschinen beim Booten des Systems automatisch gestartet werden, können alle geteilten virtuellen Maschinen für den Autostart konfiguriert werden. Welche Maschinen gestartet werden, legen Sie durch Rechtsklick auf Shared VMs über den Menüpunkt Mange AutoStart VMs... fest. Hier können Sie auch die Verzögerung zwischen dem Starten der einzelnen Maschinen angeben.

Für den Serverbetrieb ist es ober oft notwendig, auch die Reihenfolge in der die einzelnen Maschinen gestartet werden, zu definieren. VMWare Workstation bietet dazu in der Konsole leider keine Möglichkeit. Über einen kleinen Eingriff in die Konfigurationsdateien ist jedoch auch dies möglich.

In der XML-Datei vmAutoStart.xml, zu finden im Verzeichnis C:\ProgramData\VMware\hostd\, kann über die Zuordnung der VM-ID zu den durchnummerierten XML-Elementen <e> die Reihenfolge verändert werden. Dazu geben Sie nacheinander im XML-Element <moid> die ID's der zu startenden VM's in gewünschter Reihenfolge an. Welche ID welcher virtuellen Maschine zugeordnet ist, finden Sie in der Datei vmInventory.xml aus dem selben Verzeichnis.

Hinweis: Beim Herunterfahren oder Neustarten des Systems werden laufende virtuellen Maschinen, je nach Einstellung, automatisch heruntergefahren oder angehalten.

Virtuelle Maschinen per Skript starten/stoppen

Auch unter VMWare Workstation können Sie Aktionen per Kommandozeile absetzen und somit virtuelle Maschinen skriptgesteuert starten oder beenden.

Innerhalb einer Batch-Datei lautet der Befehl wie folgt:

call "C:\Program Files (x86)\VMware\VMware Workstation\vmrun.exe" -T server -h https://localhost:8333/sdk -u admin -p <password> <start/stop/pause/unpause> "[standard] <path>" soft

Beispiel: VM testserver herunterfahren

call "C:\Program Files (x86)\VMware\VMware Workstation\vmrun.exe" -T server -h https://localhost:8333/sdk -u admin -p secret <start/stop/pause/unpause> "[standard] testserver/testserver.vmx" soft

Remote-Management

Die Einstellungen von VMWare Workstation lassen sich nur lokal ändern. Für die Verwaltung und den Zugriff auf die Konsole von virtuellen Maschinen kann jede VMWare Workstation-Installation als Client genutzt werden. Wer nur ab und zu Zugriff auf die Konsole benötigt, kann sich auch das Zusatzpaket VMWare WSX ansehen. VMWare WSX ist ein Webinterface für den Zugriff auf die Konsole von Shared VMs. Auf Grund der Nutzung von Sockets funktioniert die Weboberfläche allerdings nicht über Reverse-Proxys.

empfohlene Einstellungen für virtuelle Maschinen

Um die einzelnen virtuellen Maschinen so schlank wie möglich zu halten, empfiehlt es sich nicht genutzte oder für den Serverbetrieb unnötige Geräte wie Drucker, Floppy, Soundkarte oder USB-Hostadapter zu entfernen.

Nutzen Sie auch den Virtual Network Editor um die Maschinen im Bridge-Modus an eine bzw. unterschiedliche Netzwerkkarten zu binden.

VMWare Tools

Passen Sie das Verhalten der VMWare Tools in den Settings der virtuellen Maschine unter dem Tab Options im Punkt VMWare Tools für den Serverbetrieb an.

  • Synchronize guest time with host: Option aktivieren
  • VMWare Tools update: auf den Wert Update manually (do nothing) setzen

Achten Sie darauf die VMWare Tools auf dem aktuellen Stand zu halten. Bei Kernel-Updates auf Linux-Maschinen müssen die Tools eventuell durch Ausführen des Befehls vmware-config-tools.pl neu kompiliert werden. Nähere Information zu Installation der VMWare Tools unter Linux finden Sie unter VMWare Tools unter Ubuntu Linux installieren.

Möglichkeiten zur Wartung von virtuellen Maschinen

Im Gegensatz zu VMWare Server oder VMWare vSphere bietet VMWare Workstation einige Möglichkeiten die virtuelle Maschine auch zu warten.

Nicht alle Wartungsmaßnahmen können an Shared VMs durchgeführt werden. Um die Maschine nicht jedes Mal entfernen und hinzufügen zu müssen können Sie etwas tricksen. Beenden Sie dazu die virtuelle Maschine und verschieben Sie den Ordner im Dateisystem an einen anderen Ort. Von dort aus können Sie die virtuelle Maschine in VMWare Workstation öffnen und bearbeiten. Wenn Sie fertig sind, entfernen Sie die gerade geöffnete Maschine wieder aus VMWare Workstation und verschieben den Ordner im Dateisystem zurück an seinen ursprünglichen Ort.

Hardware-Version aktualisieren

Sie können die Hardware-Version Ihrer virtuellen Maschine durch Rechtsklick auf die Maschine und Auswahl des Menüpunkts Manage -> Change Hardware Compatibility... über einen Assistenten verändern.

Virtuelle Festplatte schrumpfen

Durch Installationen, Updates oder das Kopieren von großen Dateien wird Speicherplatz in den virtuellen Festplatten reserviert. Nicht immer wird dieser automatisch wieder freigegeben und belegt daher in Form der vmdk-Datei unnötigen Speicherplatz. VMWare Workstation bietet daher die Möglichkeit vmdk-Dateien zu schrumpfen in dem darin vom Gastsystem nicht mehr verwendete Bereiche wieder freigegeben werden. Den Assistenten erreichen Sie über einen Rechtsklick auf die virtuelle Maschine und Auswahl des Menüpunkts Manage -> Clean up Disks....

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Kommentare

  1. Super Überblick über einige Funktionen von VMWare Workstation, die etwas im Verborgenen blühen. Danke!

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