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Erfahrungsbericht: Ist LTE für Powernutzer eine echte Alternative?

Selbst in einer Großstadt - vor allem am Stadtrand - ist die Verfügbarkeit einer schnellen Internetleitung, die den Ansprüchen eines Powernutzers oder gar des eines Serverbetriebs gerecht wird, keine Selbstverständlichkeit. So habe ich mir vor etwas mehr als zwei Jahren dazu entschlossen LTE als Ersatz für meine langsame 12Mbit-Leitung mit bescheidenen 768 Kbit/s Upload eine Chance zu geben.

Der Provider Drei war zu diesem Zeitpunkt der einziger Anbieter der Verträge mit einem unbegrenzten Datenvolumen (Flatrate) angeboten hatte und berauscht von den Geschwindigkeitsangaben von 150 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload habe ich mich für das schnellste verfügbare Paket Hui Flat 150 entschieden. Ausschlaggebend waren zu diesem Zeitpunkt für mich vor allem die sogar im Vergleich zu aktuellen DSL-Angeboten wahnsinnig schnelle Uploadgeschwindigkeit und die Möglichkeit gegen Aufpreis eine statische IP-Adresse zu buchen. Damit stand einem vernünftigen Arbeiten inkl. VPN-Verbindung zum Arbeitgeber und dem Betrieb eines eigenen Server nichts mehr im Wege.

Dass die beworbenen Geschwindigkeiten in der Praxis nicht erreicht werden, war mir von Anfang an bewusst und die real erreichten Raten von 50-70 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload, gepaart mit Ping-Zeiten zwischen 20-25ms sind absolut in Ordnung. Wobei hier angemerkt werden muss, dass aussagekräftige Messungen praktisch unmöglich sind, da selbst direkt aufeinanderfolgende Tests - der Funktechnik LTE geschuldet - stark schwankende Messwerte liefern.

Eines muss ich aber definitiv festhalten, die Stabilität der Verbindung hat mich beeindruckt: Die Anzahl der Ausfälle der Verbindung über die letzten zwei Jahre kann ich an einer Hand abzählen und sind meist eher einem starken Einbruch der Verbindungsgeschwindigkeit geschuldet als einem Totalausfall und haben sich mit einem Neustart des Modems immer umgehend beheben lassen.

Dennoch hat sich in den beiden Jahren einiges getan, dass mich aktuell über einen Wechsel zurück auf eine kabelgebundene Lösung nachdenken lässt:

Einführung von Nutzungsklassen

Drei hat vor einiger Zeit für seine Internetangebote zwei Nutzungsklassen (www.drei.at/de/info/nutzungsklassen) „stationär“ und „mobil“ eingeführt. Dadurch werden bei Auslastung von Funkzellen die Mobilgeräte (deren Verträge meist weit teurer sind und limitiertes Datenvolumen enthalten) gegenüber den als stationären Internetersatz gedachten Hui Flat Tarifen um den Faktor zwei bevorzugt.

Das macht sich in der Praxis vor allem bei den Downloadraten bemerkbar: Mit meinem Drei Mobilfunktarif erreiche ich an meinem Standort so gut wie immer 50%-100% höhere (also fast die doppelten) Downloadraten als mit dem stationären Modem. Anders sieht es beim Upload aus - hier dürfte mehr Bandbreite zu Verfügung stehen und somit ist kaum ein Unterschied zu bemerken.

Merklich zurückgegangene Geschwindigkeiten

Gestiegen ist mit Sicherheit die Auslastung im LTE-Netz und das macht sich zumindest an meinem Standort drastisch bemerkbar. Waren es am Anfang im Schnitt noch den ganzen Tag über Downloadraten von 50 Mbit/s sind es heute meist nur mehr 25-30 Mbit/s (vor allem abends bemerkbar). Auffällig, aber auch logisch, ist dabei, dass die Raten sehr stark von der benutzten Funkzelle abhängen. An meinem Standort springt das Modem öfter zwischen zwei Zellen hin und her und die eine scheint mehr ausgelastet zu sein als die andere.

Zu Beginn dachte ich noch, die Geschwindigkeitseinbrüche hängen mit Empfangsproblemen zusammen und habe eine externe Antenne gekauft, um die Empfangsqualität zu steigern. Fakt ist, dass im Alltag ein messbarer Unterschied in der Empfangsstärke in der nutzbaren Geschwindigkeit kaum zu spüren ist. Wer also schon volle Empfangsstärke am Gerät angezeigt bekommt, wird mit Optimierungen der RSRP und RSRQ-Werten (mehr Infos darüber z.B. hier: www.fts-hennig.at/antennen/blog/lte-leistung) nicht viel mehr an Geschwindigkeit herausholen können.

Erhöhung der verfügbaren DSL-Verbindungsgeschwindigkeit

Mittlerweile sind an meinem Standort auch endlich DSL-Leitungen mit vernünftigen Datenraten von bis zu 80 Mbit erhältlich. Stelle ich deren Kosten von ca. € 47 für real erreichbare Werte von 70 Mbit/s down und 15 Mbit/s up mit den Kosten von € 54 für reale 25 Mbit/s down und 30 Mbit/s up des LTE-Angebots gegenüber - so stimmt das Preis/Leistungsverhältnis für LTE bei Weitem nicht mehr. Noch dazu, da es sich bei der als Vergleichswert herangezogenen DSL-Leitung um einen Business-Tarif mit entsprechendem Support und ebenfalls statischer IP-Adresse handelt. Da hilft auch die für den Serverbetrieb essenzielle doppelte Upload-Geschwindigkeit der LTE-Leitung nichts mehr.

Fazit

LTE - mit Flatrate und statischer IP-Adresse - ist für Powernutzer und sogar für den Serverbetrieb definitiv eine Alternative zur klassischen DSL-Leitung. Letztendes hängt es aber stark vom eigenen Standort ab, ob bei aktueller Popularität der LTE-Angbote Geschwindigkeiten mit sinnvollen Werten erreicht werden können oder nicht.

Meine Empfehlung:
Wer sinnvolle Geschwindigkeiten per Kabel bekommen kann, sollte auch ein Kabel nutzen. Selbst wenn dort heutzutage die Maximal-Geschwindigkeiten ebenfalls nicht mehr garantiert werden, so werden zumindest Mindestgeschwindigkeiten garantiert und diese sind in der Praxis zumindest in Bezug auf die Downloadraten meistens doch höher oder zumindest um einiges konstanter zu erreichen als per LTE.

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Über den Autor

Christian Bartl

Christian Bartl Projektmanagement & Konzeption für Online und Mobile

Als Technologie-Enthusiast und begeisterter Programmierer entwickle ich in meiner Freizeit Websites, Software und IT-Lösungen, die mir selbst und anderen den Alltag vereinfachen.

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